Lisk: Interview mit CEO Max Kordek

Anmerkung: Dieser Artikel wurde von meinem Vorgänger verfasst. Nach der Fortführung des Blogs mit dem neuen Team wurde der name des Hauptaccounts verändert, weshalb ältere Artikel nun so aussehen, als würden sie von mir, Lukas Fiedler, stammen, auch wenn dem nicht so ist. Jeder dieser Artikel ist mit dieser Anmerkung versehen.

Die Ankündigung am Wochenende der Aufspaltung der Crypti-Community, durch eine „Palastrevolution“ zweier wichtiger Mitglieder der Crypti Foundation, hat hohe Wellen geschlagen und die Crypti-Community ziemlich durchgeschüttelt. Ich habe ja am Montag ausführlich über diesen Streit berichtet,  sehe hier aber auch Chancen, insbesondere deshalb, da Crypti ein Schicksal wie Qora drohte. Zudem, was spricht dagegen den aktuellen Ethereum-Hype für die eigenen Zwecke zu nutzen (Das Logo von Lisk hat übrigens eine gewisse Änlichkeit mit Ethereum)?
Lisk Logo

Der CEO der neu formierten Lisk, Max Kordek, war zu einem Interview mit mir bereit und er gab bereitwillig Auskunft über sein neues Projekt.
Max Kordek

Hallo Max,
vielen Dank für Deine Bereitschaft für ein Interview!

Max: Hallo Markus! Ich bedanke mich für die Chance, die du mir mit diesem Interview auf Deinem Blog bietest. Es gibt mir die Möglichkeit einige Dinge klar zu stellen und mich der deutschen Community rund um kryptographische Währungen vorzustellen. Kurz ein paar Informationen zu mir: Mein Name ist Max Kordek und ich studiere aktuell Elektrotechnik an der RWTH Aachen.
Zurzeit konzentriere ich mich allerdings vollständig auf Lisk. Ich bin seit drei Jahren in der Crypto-Szene aktiv, angefangen hat bei mir alles mit Litecoin. Nach ein paar Monaten bin ich dann zu Nxt gewechselt und hatte dort mehrere organisatorische Aufgaben. Zum Beispiel habe ich lange Zeit die offizielle Webpräsenz Nxt.org geleitet. 2014 war ich außerdem in Amsterdam auf der Bitcoin 2014 und einem kleinen Event in London und habe Nxt vertreten. Praktisch das ganze Jahr 2015 habe ich Crypti gewidmet und mich nahezu jeden Tag mit der Plattform beschäftigt. Mein Aufgabenspektrum war vielfältig, unter anderem Marketing, Growth Hacking, Community Betreuung, Support, Frontend Entwicklung, Design, User Experience, Ideenkonzeptionierung und mehr. Jetzt bin ich CEO von Lisk und widme mich ganz dieser Aufgabe. Ich freue mich drauf!

Wann reifte bei Dir und Olivier der Entschluss Crypti zu verlassen um mit Lisk frisch zu starten?

Max: Am 16. Dezember 2015 haben wir an die Crypti Foundation einen schriftlichen Antrag gestellt, den jeder hier auf Englisch nachlesen kann. An diesem Punkt waren wir noch sehr überzeugt von Crypti und wollten unbedingt das Ökosystem beibehalten, an dem wir seit über einem Jahr gearbeitet haben. Im Prinzip geht es in dem Antrag um drei Hauptpunkte:

1. Die Übernahme der Foundation durch ein neues, aktives und motiviertes Team. Olivier und ich hatten uns zur Verfügung gestellt und betont das wir gerne andere Mitglieder akzeptieren, solange diese aktiv sind.
2. Das komplette offenlegen sämtlicher Quellcodes.
3. Entwicklung neuer Features mithilfe der Community und neuen Entwicklern.

Der Antrag klang für unsere Ohren ziemlich gut. Ja klar, er war recht radikal. Aber Crypti muss(te) radikal verändert werden, sonst stirbt das Projekt. Die Crypti Foundation war weniger begeistert und wollte eine neue Investitionsrunde machen, obwohl dies am Anfang von Crypti vor 1.5 Jahren kategorisch verneint wurde. Olivier und ich fanden diesen Vorschlag nicht gut, da es das Portfolio jedes Eigentümers von Crypti verwässern würde. Bei einem neuen Projekt ist das kein Problem und auch bei einem Startup ist es in Ordnung. Aber bei einer kryptographischen Währung kann man das einfach nicht machen, außer man kommuniziert dies von Anfang an. Daraufhin haben wir ungefähr am 8. Januar den Entschluss gefasst Crypti zu forken. Wir lieben dieses Projekt und wollten es auf keinen Fall sterben lassen.

Könnt Ihr die barschen Reaktionen auf Euren Abgang nachvollziehen?

Max: Ja und nein! „Barsche Reaktionen“ waren zu erwarten, allerdings haben wir nicht mit diesem Ausmaß gerechnet. Wir waren bedacht darauf die Community und Foundation in der selben Minute über unseren Fork zu benachrichtigen. Das haben wir als die fairste Methode betrachtet. Natürlich war die Foundation über diesen Schritt empört und deshalb wurden wir auch von ihnen attackiert. Hier steht schließlich ihr guter Ruf auf dem Spiel, allerdings hatte dieses Vorgehen nur Vorteile für uns.
Indem wir so vorgegangen sind, konnten wir Insiderhandel innerhalb der Foundation verhindern. Wir konnten außerdem sicherstellen, dass uns die Foundation vorher nicht schlecht redet und uns aus
ihrem geschlossenen Kreis verbannt. Außerdem war es so möglich in Ruhe das ganze Ökosystem (Website, Soziale Kanäle, Testnet, Faucet und GitHub Repositories) aufzubauen und erste neue Features zu implementieren.
Ich kann auch verstehen das einzelne Community Mitglieder anfangs schockiert und sauer gewesen sind. Sie haben schließlich Geld verloren (in FIAT).
Langfristig wird sich deren Gemüt aber legen, wir haben schon von sehr vielen Mitgliedern Zuspruch erhalten. Viele haben uns geschrieben, dass sie die Verzweiflung von Olivier und mir selbst
von Außen vorher schon mitbekommen haben.

Seid Ihr personell gut genug aufgestellt um mehr als nur ein Fork zu kreieren, also das System auch wirklich weiterzuentwickeln?

Max: Voll und ganz, ja! Olivier ist seit über 15 Jahren Full-StackEntwickler, der Mann versteht eindeutig sein Handwerk und hat fast so viele Jahre an Erfahrung wie Crypti’s Hauptentwickler alt ist. Ich habe in meinem Leben noch nie eine so talentierte und zeitgleich bescheidene Persönlichkeit kennengelernt wie ihn. Mit der Erfahrung kommt auch Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit hinzu, was teilweise echt beeindruckend ist. In den drei Wochen, in denen wir Lisk vorbereitet haben, hat er sich komplett mit dem Quellcode vertraut gemacht und gleich ein komplett neues Feature eingebaut (Forging Rewards, inflationär hinzukommende LISK mit jedem Block). Wohl bemerkt, hat er nebenbei viele andere Lisk Services eingerichtet und re-konfiguriert. Wie zum Beispiel den Blockchain Explorer oder unseren Faucet. Mit mir hat unser Startup jemanden der sagt wo es langgeht und der Firmen zuverlässig kontaktieren kann. Bei Crypti war nie jemand für irgendwas so richtig zuständig. Jetzt haben wir klare Strukturen. Das bedeutet nicht, dass wir alleine Entscheidungen treffen. Auch wenn ich mich als CEO betitele, werde ich mich stark von den
guten(!) Anregungen innerhalb der Community beeinflussen lassen. Je nach Erfolg unseres ICOs werden wir natürlich weitere Entwickler und vor allem Marketing Experten einstellen. Dazu kann ich jetzt
allerdings noch keine genauen Angaben machen.

Besteht bei Euch nicht die Besorgnis, dass es Euch nicht gelingen wird nennenswerte Teile der Crypti-Community für Lisk zu begeistern?

Max: Ehrlich gesagt ist die Crypti Community im Verhältnis zu anderen kryptographischen Währungen ziemlich klein. Ich habe persönlich viele Freunde innerhalb der Community gewonnen und viele Kontakte geknüpft. Wir werden uns über jeden Crypti-Wechsler freuen, freuen uns aber auch auf die neuen Mitglieder. Mit Lisk bieten wir Bitcoin und Ethereum Eigentümern eine einmalige Chance in eine richtig innovative Plattform einzusteigen. Dementsprechend sind unsere Sorgen relativ klein. Lisk wird viele Anhänger finden, da bin ich mir sicher.

Ihr führt ein ICO durch, wie hoch sind Eure Erwartungen an frischen Bitcoin? Was macht Ihr wenn es weniger wird als wünschenswert gewesen wäre?

Max: Ich habe eine Zahl im Kopf, werde diese aber nicht veröffentlichen. Lassen wir uns einfach überraschen was der ICO bringen wird. Ich denke, die Summe wird nicht zu unterschätzen sein. Wenn es aber doch weniger wird als gedacht, dann werden wir natürlich alles Mögliche anstellen um die Plattform weiterentwickeln zu können. Dank des offenen Quellcodes wäre das ohne Probleme möglich, allerdings wäre die Weiterentwicklung natürlich um einiges langsamer. Olivier und ich sind allerdings fest davon überzeugt genug Bitcoin zu erhalten.

Wieviel Prozent aller Lisk behaltet Ihr beim ICO für Entwicklungskosten oder eine Foundation zurück? Bei Crypti flossen ja 15% zu den Entwicklern und 10% in die Foundation.

Max: Bei Crypti waren es, wie du bereits sagtest, 15%. Allerdings bin ich mir ziemlich unsicher, dass davon nur 10% in die Foundation geflossen sind. Über sechs Millionen Crypti liegen ungenutzt rum. Es war einmal die Sprache davon, diese an Olivier, Vera, Boris, Sebastian und mich zu überweisen. Dieses Vorhaben kam aber, wie so oft, nicht über die
Planungsphase hinaus. Wir werden definitiv weniger als 15% für uns selbst beanspruchen. Aktuell habe ich folgende Zahlen im Kopf.
– 1% für sehr frühe Unterstützer, zum Beispiel Übersetzer.
– 1% für Facebook likes, Twitter follower und Newsletter Abonnenten.
– 5% für spätere Unterstützer aller Art – d.h. für „Bounties“.
Wie viel wir letztlich noch für uns selber rausnehmen werden wir noch entscheiden.
Weitere Details dazu werden am 6. Februar auf unserem Blog veröffentlicht.

Beim ICO akzeptiert Ihr Crypti zu einem Festkurs von 1300 Satoshi, der aktuelle Marktwert beträgt aber nur 850 Satoshi. Was macht Ihr mit den vielen Crypti, die Euch auf Grund des Premiums wohl angedient werden?

Max: Alle Crypti, die wir erhalten sehen wir als „totes Geld“ und als Fluchtmöglichkeit für Crypti Eigentümer zur Lisk Plattform. Wir möchten so viele Crypti Community Mitglieder wie möglich mitnehmen. Wir hoffen außerdem, dass wir durch diesen guten Festkurs das Wohlwollen der Community gewinnen. Es ist allerdings davon abzuraten sich Crypti zu kaufen, nur um diese später gegen Lisk umzutauschen. Wir werden einen Bonus für den Wechsel von Bitcoin und Ethereum zu Lisk aussprechen. Am Ende wird es sinnvoller sein mit Bitcoin neu einzusteigen, als mit Crypti. Alle Crypti Eigentümer, werden mit dem Wechsel zu Lisk langfristig wahrscheinlich einen guten Handel machen. Denn der Markt bei Crypti war/ist so klein das nennenswerte Crypti Beiträge nicht
verkauft werden können.
Mehr dazu am 6. Februar auf unserem Blog.

Crypti gilt als technisch sehr gut gemacht, konnte aber nie richtig durchstarten. Was willst Du bei Lisk anders machen um so ein Schattendasein zu verhindern?

Max: Marketing, Marketing, Marketing…
Crypti hat dies nie gemacht und wir haben dadurch eines gelernt: Marketing ist alles bei kryptographischen Währungen! Wir werden von Anfang an konstant Marketing betreiben und unsere Plattform
vertreiben. Nicht erst, wenn sie fertig ist. Denn etwas zu verbessern wird es immer geben.
Außerdem planen wir strategische Partnerschaften. Hierzu kann ich noch keine weiteren Details veröffentlichen, wir sind allerdings schon dabei erste Partnerschaften zu knüpfen.
Dieses neue Vorgehen wird der Wendepunkt für uns sein und es wird verhindern, dass Lisk je ins Schattendasein abrutscht.

Werdet Ihr darauf achten, dass dezentrale Applikationen (Dapps) bei Lisk auch weiterhin Crypti-kompatibel sind?

Max:
Zu Beginn werden die dezentralen Applikationen kompatibel sein. Später kann sich dies allerdings ändern, da wir selbstverständlich neue Funktionen in unsere Dapp SDK implementieren werden. Es ist besser man konzentriert sich auf eine der beiden Plattformen bei der Entwicklung.

Der Abschluss gebührt Dir: Warum sollen wir in Lisk investieren und beim ICO mitmachen?

Max: Rein rechtlich gesehen ist es keine Investition. Ich kann euch aber allen sagen warum ihr beim Lisk ICO meiner Meinung nach mitmachen solltet: Es ist nach Ethereum wieder eine super Chance in eine innovative und zukunftsträchtige Plattform zu investieren. Ich möchte hier keinem etwas andrehen. Schaut euch am Besten einmal unsere Webseite und unsere App an. Überlegt euch dann wie viele JavaScript-Entwickler (die weitverbreitetste Skriptsprache der Welt) es gibt und was für ein wahnsinniger Erfolg der Apple App Store ist. Aufgrund dieser Tatsachen müsst ihr euch dann eure eigene Meinung bilden.
Meine ist: „Da ist wahnsinnig viel Potential!“.

Vielen Dank Max und viel Glück mit Lisk!

Max:
Ich danke Dir Markus. Ich stehe immer für Fragen zu Verfügung. Wenn ihr in der Nähe von Aachen wohnt können wir gerne einmal in der Stadt einen Tee trinken gehen. Ansonsten schaut einfach mal in unserem Chat vorbei!

Ich werde über Lisk weiter am Ball bleiben und auch im Detail für das ICO berichten.



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