Air: Digitale Identität auf der Blockchain + Interview

Air ist ein Produkt des IT-Unternehmens Sphre, welches mittels Blockchain Anwendern eine sichere digitale Identität ermöglichen will. Das Projekt wird am 01. Juni einen ICO starten, um die Produktentwicklung zu finanzieren.

Daren Seymour, Direktor von Sphre, war so nett mir einige Fragen zu dem Projekt zu beantworten. Als Grundlage für das folgende Interview werde ich vorab einen kurzen Überblick über das Projekt liefern. Abschließend beschreibe ich noch meine persönliche Einschätzung des Projekts und des anstehenden ICOs.

Air

Mit Air möchte Sphre eine Plattform für sichere digitale Identitäten erstellen. Als Basistechnologie hierfür wird die “private” Hyperledger-Blockchain genutzt – im Gegensatz zu der Vielzahl von neuen Projekten, die auf Ethereum basieren. Hyperledger lässt sich als privat ansehen, da nur ausgewählte Netzwerkteilnehmer Transaktionen bestätigen dürfen. Als Blockchain nutzt Hyperledger kein Proof of Work, sondern Practical Byzantine Fault Tolerance (PBFT). Oberflächlich lässt sich diese Methode des Konsens als: “7 von 10 müssen zustimmen” beschreiben. Vertrauenswürdige Netzwerkteilnehmer validieren Transaktionen im Netzwerk und sobald eine notwendige Anzahl von Konsens erreicht ist, gilt die Transaktion als bestätigt. Dieser Ansatz bietet Vorteile in Form von Skalierbarkeit und geringen Transaktionskosten, aber auch Nachteile in Form von direkten Abhängigkeiten und einem geringeren Maß an Dezentralisierung. Persönlich halte ich die Wahl von Hyperledger für durchaus nachvollziehbar, da man so in einer vergleichsweise sicheren beziehungsweise ruhigen Umgebung agiert. Durch die hohe Skalierbarkeit lassen sich Prozesse für Mikrotransaktionen gestalten, die so in Bitcoin oder Ethereum noch nicht möglich sind (es aber wohl zukünftig durch das Lightning Network und das Raiden Network sein werden). Da im Hyperledger-Netzwerk keine Miner entlohnt werden müssen, verzichtet das Netzwerk komplett auf eine native Kryptowährung. Air wird aus diesem Grund Token (XID) in Form von Omnilayer-Assets erstellen. Omni (ehemals Mastercoin) ist kurz gefasst ein Protokoll, welches es ermöglicht Token beziehungsweise Assets auf der Bitcoin-Blockchain zu erstellen. Andere Projekte, wie Maidsafe oder Tether, nutzen ebenfalls Omni.

Technisch gliedert sich die Anwendung in drei essentielle Bausteine:

  1. Smart Contracts (bzw. in Hyperledger nennt es sich Chaincode), um zugrundeliegende Prozesse darzustellen, zugänglich zu machen und sicherzustellen.
  2. API, die Dritte nutzen können, um mit Nutzern der Plattform zu interagieren. Nutzer können hierbei beispielsweise Personen, Unternehmen, Organisationen oder Geräte sein.
  3. Eine App, durch welche Anwender zu jeder Zeit Zugriff auf ihre digitale Identität haben, indem sie Transaktionen prüfen oder veranlassen. Anwender erhalten eine Mikrotransaktion in Höhe von einem XID Token (der Token von Air), wenn sie sich erfolgreich verifiziert haben.

aircycle

Überblick der Hauptaktivitäten im Air Netzwerk: User verdienen XID auf Basis ihrer Identität und Transaktionen. Content Provider machen Usern Informationen auf Basis derer festgelegten Interessen zugänglich. Ausschließlich interessierte User bekommen entsprechende Informationen angezeigt und werden hierfür in Form von XID entlohnt. Data Analytics Provider fragen Netzwerkuser für Datenzugriff an und entlohnen gewährte Zugriffe mit XID.

Am 01. Juni startet Air seinen ICO, in dem 90% aller XID Tokens veräußert werden. Die übrigen 10% setzen sich aus einer Beteiligung für die Gründer in Höhe von 2,5%, einem Bug Bounty in Höhe von 6,5% und generellen Bounties in Höhe von 1% aller Tokens zusammen. Zusammen existieren somit 55 Mio. XID, welche nach Abschluss des ICOs verteilt werden.

Der Token-Sale gliedert sich in drei Bonusstufen. Die ersten 25% der 50 Mio. XID werden zum Preis von 0.0000760 BTC pro XID verkauft (20% Bonus für die ersten 950 Bitcoin). Danach werden weitere 30% mit einem Bonus von 10% (0.0000855 BTC/XID, insgesamt 1282.5 Bitcoin) verkauft, bis die restlichen 45% ohne Bonus zu einem Preis von 0.0000950 veräußert werden. Die restlichen 45% entsprechen einer Summe von 2137.5 Bitcoin. Somit möchte Sphre mit dem Air ICO maximal 4370 Bitcoin einnehmen. Eingesammelte Bitcoin werden in einer Escrow-Adresse gehalten und auf Basis verschiedener Meilensteine freigegeben. Sollte man am ICO teilnehmen wollen, ist auf jeden Fall darauf zu achten, dass man während der ersten Bonusstufe investiert.

Interview

DS

Daren Seymour ist Director des IT-Unternehmens Sphre, welches sich auf Lösungen der Blockchain- und Quantum-Computing-Technologie spezialisiert hat. Er arbeitet seit über 25 Jahren als IT-Spezialist.

Hi Daren, thank you for answering my questions on your project. I believe that digital identity is one of blockchain’s most promising use cases, as it offers so many different applications. I provided a brief introduction to Air, so readers will have a fundamental knowledge of your project. Could you elaborate how you came up with the idea of Air?

DS: Many thanks for this opportunity. The idea for Air really came via the realisation of the full potential of blockchain within the digital identity arena and how we could allow individuals to control and commercialise their identity data for their own benefit, this was a paradigm changing moment! In an increasingly digital society, personal data has become a new form of currency. The biggest challenge for our leaders today in my view is to establish the trust that enables that currency to flow, and our aim is quite simply to facilitate this for consumers and enterprises.

Is Air your first blockchain project?

DS: No, however my previous projects were based on research requirements only, so Air is my first publicly shared project.

You are building Air on Hyperledger and use the Omnilayer for token creation. Why did you choose these platforms (and not Ethereum)?

DS: Ethereum is a great platform for sure. However Hyperledger was selected for initial development due to its modular design approach, and also its implementation of Practical Byzantine Fault Tolerance (PBFT) based consensus. This allows for very large-scale transaction scaling which is a key consideration in regards to identity based transactions.

For Omnilayer there were several considerations, the first of which was liquidity, as Omnilayer is integrated with numerous top exchanges and has a massive pool of existing assets. Secondly, ease of application integration, and finally, the stability of the Bitcoin blockchain as our first ‘connector’. However we will consider further connectors in the future, and Ethereum would certainly be on the list as the platform continues to stabilise and implement its roadmap, in particular Casper.

Various other (blockchain) projects like the Digital Identity Foundation (DIF), Cambridge Blockchain or Uport are working on digital identity solutions. What is your opinion on other digital identity projects and why do you think Air stands out?

DS: Yes, these are all great initiatives for sure. I think that Air stands out because of its modular technology approach. We will also implement a novel approach to user adoption whereby the individual will receive an XID digital token micropayment to their Air consumer application digital wallet, when a successful identity transaction has taken place, and we feel that this builds a new paradigm not just for digital identity, but for digital economic engagement.

With Eon and Ctrl, you are already working on additional use cases for medical data and access rights on the Air platform. Which use cases do you find most relevant on top of digital identity?

DS: There are many, if you think about how many times per day an individual transacts using some form of identity credential, from online login to banking and healthcare. However, I think the rise of automation and the inevitable implementation of Universal Basic Income is a key topic. If we imagine a world where most jobs are automated, and therefore most jobs no longer exist, then how can an individual increase their person income? This is one of the areas that we are exploring with Air, that being the enablement of an individual to monetise their digital identity and personal data for their own financial benefit.

Another interesting area is Artificial Intelligence ‘Automated Trust Verification’.  An example of this is that today, I leave my home and I trust myself to drive my car to my destination, but in the future an Artificial Intelligence will drive my car for me, but how do I know that I can trust my car to deliver me safely, should I rely on implicit trust as in effect, my car will make all driving decisions and is therefore an ‘identity’?  This is where I will be able to independently verify my car’s AI identity history, and not just my car, but every car of the same type, to ensure that my car is not being driven by HAL from the film 2001. I see such systems as increasingly important as more and more AI based ‘identities’ enter our lives.

When can we expect an MVP and/or a full product?

DS: We expect the Air Platform to be live and ready for use by the end of 2017.

Einschätzung

Meiner Meinung nach bietet das ICO aus verschiedenen Gründen eine durchaus vielversprechende Gelegenheit. Digitale Identität stellt möglicherweise den „besten“ Anwendungsfall für Blockchaintechnologie dar, da hierdurch erst eine Vielzahl von weiteren Use Cases, wie Identifikation und Bezahlung im Onlinehandel, ermöglicht werden. Air arbeitet aktuell schon an Anwendungsfällen für Healthcare und Zugriffsrechte.

Mit dem aktuell stark schwankenden Bitcoinpreis entspricht das 4370 BTC Cap von Air einem Gegenwert von etwas über (4370 * 1980€ =) 8,65 Mio. Euro. Mit einer Marktkapitalisierung von 8,65 Mio. Euro würde sich das Projekt aktuell auf Platz 95 der Kryptoprojekte auf Coinmarketcap befinden. Ich empfehle jedem Leser einmal den Link anzuklicken und sich selbst ein Bild zu machen, ob Air bei den Projekten mit einem Cap von ca. 8-9 Mio. Euro richtig liegt oder ob noch Luft nach oben besteht. ICOs mit geringem Cap bieten prinzipiell die Möglichkeit höherer prozentualer Zuwächse im Vergleich zu ICOs mit höherem Fundingvolumen. Beispiele hierfür sind Next (etwa x1600 in BTC bzw. x4600 in Dollar seit dem ICO), Foldingcoin oder in näherer Vergangenheit Spectrecoin. Diese Projekte stellen allerdings seltene Perlen dar, da vergleichsweise viel mehr Projekte mit niedrigem Funding untergegangen sind. Aus diesem Grund halte ich es für prinzipiell sinnvoll in mittelgroße Projekte mit einem ICO Cap zu investieren. Hier besteht ein geringere Ausfallwahrscheinlichkeit aber es gibt viel Raum für Wachstum. Ich denke, dass Air kurzfristig eine Marktkapitalisierung von mindestens 20 Millionen Euro erreichen kann, wodurch sich ein ICO-Investment mehr als verdoppeln würde. Die Token werden kurzfristig nach dem ICO handelbar sein, weshalb die Möglichkeit besteht, dass XID schnell auf Exchanges gelistet wird. Sämtliche relevanten Börsen führen Omnitoken (wie beispielsweise Maidsafe oder Tether Dollar), sodass eine Integration leicht vonstatten gehen sollte.

Das Unternehmen Sphre arbeitet mit Air an einem Anwendungsfall, der jedem Mensch auf der Welt Vorteile bringen kann. Aus diesem Grund halte ich viel von dem Projekt und werde am ICO teilnehmen. Air stellt verschiedene neue Eigenschaften eines ICOs dar, was zusätzlich zu Aufmerksamkeit führen wird: Erster ICO zum Thema Digital Identity und erstes ICO Projekt auf Hyperledger. Ich sehe sowohl kurzfristiges als auch langfristiges Ertragspotential bei dem Projekt. Eine Strategie kann sein, auf einen kurzfristigen Preisanstieg zu warten, das initiale Investment abzuziehen, und in Folge mit sogenannten “Free Bags” restliche XID Token langfristig zu halten.

-Lennart Ante

Disclaimer – Hinweis auf Interessenskonflikt: Der Autor ist in oben genannte Kryptowährungen selbst investiert.

Ein Kommentar zu „Air: Digitale Identität auf der Blockchain + Interview

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