Bitbond STO: Ein aus meiner Sicht hohes Risiko für die Anleger

Machen wir uns nichts vor – STOs sind die Zukunft. Mit STOs können endlich auch Kleinanleger und Privatpersonen in mittelständische Unternehmen oder Start-ups investieren und so an deren Erfolg partizipieren und gleichzeitig von der Fungibilität von Security Token profitieren. Eigentlich eine super Sache und dementsprechend war die Freude in der Krypto-Szene auch groß, als Bitbond ankündigte, den ersten voll regulierten STO in Deutschland zu starten – ein Meilenstein für STOs in Deutschland. Dazu hat Bitbond das rechtliche „Ok“ der BaFin eingeholt und einen Prospekt erstellt. Aus rechtlicher Sicht scheint der Bitbond STO also vollkommen korrekt aufgebaut und abgesichert.

Das Problem in diesem Fall liegt bei den Anlegern, die rechtliche Sicherheit mit geringem Risiko und hoher Gewinn-Wahrscheinlichkeit gleichsetzen, aber meiner Meinung nach auch in dem STO-Aufbau an sich. Bevor man ein Investment tätigt, sollte man sich immer ausführlich informieren. Was also macht Bitbond genau?

Bitbond – Eine P2P Lending-Plattform

Die Bitbond GmbH betreibt eine P2P Lending-Plattform, auf der Personen an andere Personen oder Unternehmen Geld bzw. Kryptowährungen verleihen können. Dies geschieht laut eigenen Angaben zu einem Zinssatz von 10-35%. Die Firma Bitbond GmbH ist aber nicht die Firma, die den STO Token herausgibt. Dies passiert über die Bitbond Finance GmbH, die eine Tochtergesellschaft der Bitbond GmbH ist. Folgende Punkt sind nun zu beachten und für das weitere Verständnis wichtig:

  • Die Bitbond Finance GmbH ist eine 78,6%ige Tochtergesellschaft der Bitbond GmbH und unterliegt somit Weisungen der Gesellschafterversammlung der Bitbond GmbH. Radoslav Albrecht ist CEO von beiden Firmen.
  • Die Hauptaufgabe der Bitbond Finance GmbH soll die Vergabe (also Finanzierung) von Darlehen auf der Bitbond Plattform sein.
  • Die von der Bitbond Finance GmbH herausgegebenen Token sind qualifiziert nachrangige tokenbasierte Schuldverschreibungen. Es werden maximal 100000000 Token zu jeweils 1 Euro herausgegeben (es gibt Discounts, somit liegt der Preis für Investoren zwischen 0,7 und 1 Euro).
  • Der Investor soll auf seine Token 4% Zinsen p.A. und  einen variablen Zins erhalten („Der variable Zinssatz für eine Zinsperiode ist der Vomhundertsatz, der sich daraus ergibt, dass 60 Prozent des – soweit vorhandenen – Jahresüberschusses vor Steuern (ohne Berücksichtigung der variablen Verzinsung) entsprechend des festgestellten und geprüften Jahresabschlusses der Emittentin für das dem Zinszahlungstermin für die variable Verzinsung vorausgegangene Geschäftsjahr durch den Gesamtnennwert der ausstehenden tokenbasierten Schuldverschreibungen geteilt wird.“ – Bitbond Prospekt, Seite 10 C9).
  • Die Token sollen nach 10 Jahren zu einem Preis von 1 Euro pro Token zurückgekauft werden.
  • Die Bitbond Finance GmbH kann Darlehen an die Bitbond GmbH zu marktüblichen Konditionen gewähren.
  • Die Kosten für den STO werden vom eingesammelten Kapital der Bitbond Finance GmbH (zzgl. 8000 Euro Zinsen, da das Kapital von der Bitbond GmbH vorgestreckt wurde) abgezogen. Diese Kosten für den STO belaufen sich laut Wertpapierprospekt auf 120.000,00 für Euro Rechtsberatung, 400.000,00 Euro für Marketing und Vertrieb, 1.785,00 Euro für Wirtschaftsprüfungs- und Abschlusskosten, 80.000,00 Euro Software-Entwicklung sowie der variable Kostenfaktor „Provision Tippgeber“. Insgesamt belaufen sich die Fixkosten für den STO somit auf 609.785,00 Euro.
  • Im Rahmen des operativen Geschäftes nutzt die Bitbond Finance GmbH Ressourcen der Bitbond GmbH (z.B. Personal, Geschäftsräume, etc…), die entsprechend in Rechnung gestellt werden.
  • Die Bitbond Finance GmbH „trägt vollständig das Insolvenz- und Ausfallrisiko bezüglich ihrer Vertragspartner. Sicherheiten zu Gunsten der Emittentin werden nicht bestellt“ (Bitbond Prospekt, Seite 11 D2).

Warum ich beim aktuellen Stand des STOs persönlich nicht investieren würde

Stellen wir uns nun einmal folgendes Szenario vor. Aktuell (27.04.2019) steht auf der offiziellen Webseite (https://www.bitbondsto.com/de/), dass 2 Millionen Euro eingesammelt wurden. Nehmen wir nun an, dass bis zum Ende des STO 2,5 Millionen Euro investiert worden sind. Von diesen werden zunächst die oben genannten 609.785,00 Euro abgezogen, womit noch ca. 1,89 Millionen Euro übrigbleiben (ohne Berücksichtigung der Provision für sog. „Tippgeber“), um Kredite auf Bitbond zu vergeben. Weiterhin werden allerdings, wie ich vermute, von diesem Betrag noch weitere Kostenfaktoren im Laufe der Zeit abgezogen werden, da die Bitbond Finance GmbH u.a. z.B. auf die Geschäftsräume und Personal der Bitbond GmbH zurückgreift. Mit dem verbleibenden Kapital, welches nun zwischen 10-35% Zinsen abwirft, sollen nun mindestens 4% Zinsen (rechnet man die gewährten Discounts ein, ist der Zinssatz noch deutlich höher) auf 2,5 Millionen Euro pro Jahr für die Anleger erwirtschaftet werden und nach 10 Jahren genug Kapital vorhanden sein, um 1 Euro pro Token zu bezahlen. An dieser Stelle sollte jeder für sich diese Rechnung einmal durchführen und sich selbst fragen, ob dies ein realistisches Szenario ist oder nicht.

Zudem muss man auch die erwartbaren Kreditausfälle in die Betrachtung mit einbeziehen. Wichtig ist es auch, zu verstehen, dass nicht klar ist, wie hoch die Kosten der Bitbond Financing GmbH durch die Nutzung von Ressourcen der Bitbond GmbH sein werden.  Im Falle einer Insolvenz der Bitbond Finance GmbH („Es besteht das Risiko, dass die Emittentin für die Erfüllung der von ihr übernommenen Verpflichtungen nicht über ausreichend Liquidität verfügt.“ – Bitbond Prospekt, Seite 14 D2) kann auf die Bitbond GmbH als Muttergesellschaft wahrscheinlich nicht zurückgegriffen werdenInvestoren würden in diesem Fall, da die Token qualifiziert nachrangige tokenbasierte Schuldverschreibungen sind, erst nach allen anderen Forderungen, die zum Zeitpunkt der Insolvenz bestehen, ggf. Rückzahlungen erhalten.

Rangordnung

Die tokenbasierten Schuldverschreibungen begründen im Verhältnis der Gläubiger der tokenbasierten Schuldverschreibungen gleichrangige und im Verhältnis zu Forderungen anderer Gläubiger der Emittentin nachrangige Gläubigerrechte. Im Fall der Liquidation, der Auflösung oder der Insolvenz der Emittentin sowie eines der Abwendung der Insolvenz der Emittentin dienenden Verfahrens gehen die Rechte aus den tokenbasierten Schuldverschreibungen allen anderen bestehenden und zukünftigen nicht nachrangigen Verbindlichkeiten der Emittentin entsprechend § 39 Insolvenzordnung (InsO) im Rang nach (qualifizierter Rangrücktritt).“

Bitbond Prospekt, Seite 9 C8

Insgesamt finde ich persönlich das Risiko mit den oben genannten Unsicherheiten zu groß und mir stellt sich die Frage, ob man nicht besser fährt, wenn man ohne den STO und damit ohne die oben genannten Risiken als Darlehensgeber direkt auf der Plattform Geld verleiht. Damit könnte man die Kosten des Investments in die Bitbond Finance GmbH vermeiden. Im FAQ der Seite https://www.bitbond.com/de steht:

Jeder, der unsere Video-Identifikation erfolgreich durchläuft, kann Kreditgeber bei Bitbond werden.

Auf die aus meiner Sicht derzeit ohnehin fragliche Fungibiltät des Tokens müsste man bei einer Direktanlage auf der Plattform natürlich verzichten.

-Lukas Fiedler

Dieser Artikel basiert auf Informationen, die im offiziellen Wertpapierprospekt der Bitbond Finance GmbH gefunden werden können (https://www.bitbondsto.com/files/bitbond-sto-prospectus-de.pdf).

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